Hausgeburtshebamme Birgit Goes

Nach ein wenig Überrascht-Sein hatten mein damals noch Verlobter und ich große Vorfreude auf das neue Leben in meinem Bauch, dass sich uns als Eltern ausgesucht hatte.
(Ich war zum Zeitpunkt des Schwangerschaftstest 23 Jahre, er 21 Jahre alt)
Und wir hatten alle Hände voll zu tun, heiraten, von einer WG in eigene Wohnung (Hausstand und Möbel besorgen...), Führerschein machen, Leistenbruchoperation.
Trotz der relativ vollen Monate verlief die Schwangerschaft komplikationslos und ich genoss voll Aufregung und Freude diese neue Erfahrung. Von Anfang an war für mich klar, das die Geburt im Geburtshaus sein oder eine Hausgeburt werden sollte.
Damals wie heute, war und ist die Reaktion der Menschen mit denen ich darüber spreche, zum Thema Hausgeburt, „das würde ich mich nicht trauen“.
Und mir ging es genau anders herum: die Vorstellung von einem Krankenhaus voller Interventionen, Unruhe, wechselnder Hebammen, einfach die Atmosphäre dort bereitete mir tausendmal mehr Angst.
Leider hatte das Geburtshaus im näheren Umfeld (Chiemgau) im August keine Plätze frei und Hausgeburtshebammen gab es keine.
Wir suchten nach Wegen und entschlossen uns schließlich für die Geburt ein paar Wochen bei einer guten Freundin und Mentorin von mir einzuziehen. 350 km entfernt von unserem Wohnort.
Ich fand einen wunderbare Hebamme und fuhr nach 3 Zwischentreffen zum Kennenlernen mit ihr ins Schwabenland. 3 Wochen vor ET. Ca eine Woche nach dem Entbindungstermin begannen nach einem großen Spaziergang endlich gegen Abend die Wehen, regelmäßig aber sehr leicht nur. So ganz sicher ob es jetzt los ging und ob das wirklich Wehen waren war ich mir nicht. Am nächsten Morgen war Birgit da und stellte fest, dass der Muttermund 1 cm offen war. Birgit war sehr fürsorglich und vermittelte Ruhe und sagte bei Erstgebärenden könnte das trotzdem noch eine Weile dauern und so war es dann auch, ca einen Tage steigerten sich die Wehen, einen Abend nach dem ersten Ziehen waren sie dann schließlich nach einer warmen Badewanne so stark, dass es mich schon ganz schön einnahm.
Nach mehrmaligem Austausch (Telefon) tagsüber war mit Birgit ausgemacht, dass ich mich einfach in der Nacht melden würde, wenn ich das Gefühl hätte es geht so richtig los, oder wenn ich sonst dringend etwas brauche. Anderenfalls wollten wir am nächsten Morgen telefonieren. Ich fühlte mich gut versorgt von Birgit und vor allem auch unterstützt in meinen Wünschen und Bedürfnissen. Abends ließ ich meinen Frust noch etwas mit meinem Mann und der Freundin aus (die Freundin hatte selbst 3 erwachsene Kinder und wusste wie es war zu gebären), ich lief unruhig durchs Zimmer, fluchte, jammerte, war sauer... gegen 23 Uhr beschlossen wir ins Bett zu gehen. Als die anderen schliefen, merkte ich, dass ich eigentlich ein Bedürfnis nach Ruhe und Zurückgezogenheit hatte. Ich tapste ins untere Stockwerk und machte es mir auf dem Sofa gemütlich. Dort begann ich zur Ruhe zu kommen und den Schmerz/das Ziehen anzunehmen. Ich erinnerte mich an die Literatur über schmerzarme Geburten und wie wichtig es war sich zu entspannen. In einem trace-ähnlichen Zustand verbrachte ich eine ziemlich schlichte und undramatische Nacht und rief morgens Birgit an. Nun waren die Wehen so, dass ich sie veratmen musste. Birgit hörte gleich, dass es nun aufs Finale zuging und frage, ob ich denke sie könne noch kurz etwas machen oder solle sofort los.
Ich sagte sie könne noch etwas machen. Zum Glück hörte Birgit auf ihre Intuition und fuhr doch gleich los. Um 8:45 Uhr war sie da und um 9:50 Uhr war unsere Tochter schon geboren.
Ich war heilfroh über ihre Anleitung zum Veratmen in dieser letzten Stunde, fühlte mich gut geführt durch die doch unbekannte Situation und gleichzeitig respektvoll in Ruhe gelassen wenn ich gerade nichts brauchte. Irgendwie ging dann alles ganz schnell, schneller als ich dachte. Ein unbeschreibliches, gewaltiges Gefühl überkam mich, und mein Körper begann zu pressen. Birgit sah nach dem Pressdrang nochmal nach dem Muttermund und schwupps, nun war er voll offen. Noch schnell wurde mein Mann geweckt (15 Minuten vor der tatsächlichen Geburt) und der 2. Hebamme die Tür geöffnet. Und schon saß ich in der Hocke an meinen Mann gelehnt am Sofa und meisterte mit unserer Tochter gemeinsam das letzte Stück durch den Geburtskanal. Schon war die kleine Freya da und schrie gleich energisch in die neue Welt hinein. Glücklich nahm ich sie auf den Arm und wir konnten voller Ruhe und in vertrauter Umgebung das neue Wesen willkommen heißen.
Immer noch bin ich froh und stolz wenn ich an die Geburt zurück denke. „Ich habe es geschafft, ohne Schmerzmittel und auf meine Art - zu was ich alles fähig bin !“ ist das Gefühl, das mir diese Hausgeburtserfahrung vermittelt hat. Jede Frau muss für sich herausfinden wo sie gebären will und sich am wohlsten fühlt. Ich würde auf jeden Fall wieder eine Hausgeburt wählen!
Danke an Birgit, die so unglaublich viele Erfahrung hat und auch die Coolness unsere Geburt anzunehmen, obwohl wir von so weit weg kamen und nur selten da waren zur Vorsorge.
Sie ist eine sehr beherzte, klare, liebevolle und in sich ruhende Hebamme, die weiß was sie tut.

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